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Mittwoch, 30 Juni 2021 09:22

Tarifverträge in der Zeitarbeit und Vorteile

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Tarifverträge gelten auch in der Zeitarbeitsbranche. Man unterscheidet zwischen 2 großen Verträgen: BAP- und iGZ-Tarifvertrag. Diese Tarifverträge bestimmten die Arbeitsbedingungen und Entgelte von Zeitarbeitnehmer.

Tarifverträge bringen viele Vorteile für Zeitarbeiter – z. B. höhere Löhne, gemeinsame Interessenvertretung oder Transparenz.

Inhaltsverzeichnis

1. Gelten Tarifverträge in der Zeitarbeit? 

Was sind Branchenzuschlagstarifverträge? 

2. Vorteile von Tarifverträgen für Zeitarbeitnehmer 

  

Auf einen Blick

  • Auch Zeitarbeiternehmer profitieren von verbindlichen Tarifverträgen.
  • Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat mit dem BAP und dem iGZ unterschiedliche Tarifverträge geschlossen.
  • Tarifverträge in der Zeitarbeit bestimmten das Entgelt und die Eingruppierung sowie die Arbeitsbedingungen.
  • In vielen Branchen gelten Branchenzuschlagstarifverträge.
  • Durch Branchenzuschlagstarife verdienen Zeitarbeiter stufenweise genauso viel wie die Stammbelegschaft.
  • Tarifverträge bringen zahlreiche Vorteile mit sich: höhere Löhne, Verbindlichkeit, Transparenz, gemeinsame Interessenvertretung etc.

 

1. Gelten in der Zeitarbeit Tarifverträge?

Ja, in der Zeitarbeitsbranche gelten mehrere Tarifverträge: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat mit dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister e.V. (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V. (iGZ) unterschiedliche Tarifverträge geschlossen.

Diese Tarifverträge bestimmen vor allem folgende Inhalte:

  • Rahmenbedingungen – z. B. Arbeitszeit, Urlaubsansprüche 
  • Mindeststundenentgelte 
  • Eingruppierung und Entlohnung – EG1-EG9 je nach Qualifikation 
  • Zulagen – z. B. für Überstunden oder Schichten 
  • Entgeltumwandlung

Neben den Tarifverträgen gelten in der Zeitarbeit für manche Branchen Branchenzuschlagstarifverträge.

 

Was sind Branchenzuschlagstarifverträge?

Branchenzuschlagstarifverträge gelten nur für ausgewählte Branchen wie z. B. die Metall- und Elektro- oder Chemieindustrie. Zeitarbeiter, die in diesen Branchen arbeiten, erhalten Branchenzuschläge.

Durch Branchenzuschläge sollen Zeitarbeiter stufenweise genauso viel verdienen wie festangestellte Kollegen. In der Regel erfolgt nach der Einarbeitungszeit (4-6 Wochen) die erste Lohnerhöhung und nach 9 Monaten die zweite Erhöhung. 

 

2. Vorteile von Tarifverträgen für Zeitarbeitnehmer 

Tarifverträge schützen nicht nur Zeitarbeiter und sorgen für faire Arbeits- und Gehaltsstrukturen. Sie bieten eine Vielzahl von weiteren Vorteilen:

Höhere Löhne und Lohngleichheit

Das tarifliche Entgelt liegt zunächst immer über dem Mindestlohn. Damit verdienen viele Zeitarbeiter mehr als festangestellte Kollegen. In manchen Branchen wie der Metallindustrie sorgt die Tarifbindung sogar für mehr als doppelt so hohe Gehälter.

Der Tarifvertrag schließt neben dem Mindestlohn zunehmend die Lücke zwischen Ost- und Westgehältern. Seit dem 01.04.2021 besteht Lohngleichheit (nach DGB-BAP-Tarifvertrag).

Gemeinsame Interessenvertretung

Da der Tarifvertrag stellvertretend durch Interessenverbände ausgehandelt wird, stärkt er dem einzelnen Zeitarbeiter den Rücken. Denn als einzelner Leiharbeiter muss man z. B. keine Lohnerhöhungen verhandeln – der Tariflohn steigt automatisch. Außerdem besteht oft ein tariflicher Anspruch auf Sonderkonditionen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

Außerdem schützt die Tarifautonomie vor staatlichen Eingriffen.

Transparenz

Die tarifvertraglichen Entgelte sind für jeden Zeitarbeitnehmer jederzeit einsehbar und kontrollierbar. Durch die festgeschriebene Eingruppierung wissen Sie: jeder bekommt für gleiche Arbeit das gleiche Geld.

Geringere Arbeitszeiten

Im Vergleich zu Unternehmen ohne Tarifbindung arbeiten Zeitarbeiter in tarifgebundenen Unternehmen oft weniger.

Schutz und Sicherheit

Die Tarifautonomie sowie die recht langen Laufzeiten der Rahmen- und Manteltarifverträge stellen sicher, dass sich die Arbeitsbedingungen für Zeitarbeitnehmer nicht einfach über Nacht ändern können. Außerdem ist der Tarifvertrag verbindlich. Der Arbeitgeber verpflichtet sich zur Einhaltung des Tarifvertrags – und damit auch zur Zahlung des Tariflohns sowie der Sonderkonditionen. Ist der Tarifvertrag also geschlossen, ist er einklagbar.

Mehr Urlaub

Oft genießen Zeitarbeiter durch einen Tarifvertrag mehr Urlaub. Der gesetzliche Urlaubsanspruch für eine 5-Tage-Woche liegt bei 20 Urlaubstagen. Tarifverträge liegen hier meistens deutlich drüber.

Gelesen 1569 mal Letzte Änderung am Dienstag, 12 Oktober 2021 13:40