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Mittwoch, 23 Juni 2021 12:31

Was ist Equal Pay?

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Equal Pay sorgt für Gleichstellung: nach 9 Monaten muss ein Zeitarbeitnehmer genauso viel verdienen wie festangestellte Kollegen. Voraussetzung: Der Zeitarbeiter hat ohne Unterbrechung 9 Monate im gleichen Unternehmen gearbeitet.

Wie sich Equal Pay berechnet, welche Ausnahmen es gibt und was passiert, wenn kein Equal Pay bezahlt wird, erfahren Sie im Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Equal Pay? 

Gilt Equal Pay auch für Sonderzahlungen und Zuschläge?

2. Berechnung: Wann gilt Equal Pay? 

Kurze Unterbrechungen beeinflussen Anspruch nicht 

3. Gibt es Ausnahmen? 

Branchenzuschlagstarifverträge und Equal Pay 

Vermutungsregel und Equal Pay 

4. Sanktion bei Verstößen 

 

Alles auf einen Blick 

  • Das Equal Pay dient der Gleichstellung und dem Schutz von Zeitarbeitern.
  • Es ist in §8 des AÜGs verankert.
  • Arbeitet ein Zeitarbeiter ohne Unterbrechung 9 Monate in einem Betrieb, greift das Equal Pay.
  • Die Regelung bestimmt, dass Zeitarbeiter genauso viel verdienen müssen wie festangestellte Kollegen.
  • Equal Pay schließt auch Sonderzahlungen, Zuschläge und Sachleistungen ein.
  • Es gelten Voraussetzungen: Zeitarbeiter müssen 9 Monate am Stück in ein und demselben Betrieb gearbeitet haben.
  • Unterbrechungen und Pausen, die nicht länger als 3 Monate sind, haben keinen Einfluss auf den Equal-Pay-Anspruch.
  • Gelten Branchenzuschlagstarifverträge oder die Vermutungsregel muss kein Equal Pay bezahlt werden.
  • Verstöße werden mit Bußgeldern, dem Entzug der Überlassungserlaubnis und Nachzahlung sanktioniert.

 

1. Was ist Equal Pay?

Der sogenannte Equal-Pay-Grundsatz ist in §8 des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) geregelt. Wortwörtlich übersetzt bedeutet Equal Pay "gleiche Bezahlung". Die Regelung bestimmt, dass ein Zeitarbeiter genauso viel verdienen muss wie festangestellte Kollegen in einer vergleichbaren Position.

Wichtig: Der Anspruch auf Equal Pay greift erst nach 9 Monaten ununterbrochener Beschäftigung in einem Unternehmen.

Beispiel: Herr Müller ist Zeitarbeiter und arbeitet als Produktionsmitarbeiter beim Unternehmen X. Den festangestellten Mitarbeitern zahlt das Unternehmen X 12,50€ pro Stunde. Durch das Equal Pay hat Herr Müller ebenfalls das Recht, mind. 12,50€ pro Stunde zu verdienen, sobald er 9 Monate am Stück für das Unternehmen X gearbeitet hat.

 

Gilt Equal Pay auch für Sonderzahlungen und Zuschläge?

Ja, der Equal-Pay-Grundsatz gilt nicht nur für das Gehalt, sondern auch für

  • Vermögenswirksame Leistungen – z. B. Zuschüsse zur betrieblichen Altersvorsorge
  • Sonderzahlungen – z. B. ein Leistungsbonus
  • Entgeltfortzahlungen – z. B. bei Krankheit
  • Verpflegungszuschüsse – z. B. für Mahlzeiten
  • Zuschläge – z. B. für Überstunden
  • Zulagen – z. B. für besonders anstrengende Arbeit

Auch Sachleistungen wie ein Diensthandy oder einen Firmenwagen deckt Equal Pay ab: Der Zeitarbeitnehmer erhält für diese Leistungen den Gegenwert ausbezahlt.

 

2. Berechnung: Wann gilt Equal Pay?

Der Equal-Pay-Grundsatz ist an 2 Bedingungen geknüpft:

  1. Ein Zeitarbeitnehmer muss mind. 9 Monate im gleichen Betrieb gearbeitet haben.
  2. Die Beschäftigung erfolgt 9 Monate am Stück – also ohne Unterbrechung.

Bevor das Equal Pay greift, gelten die bisherigen Bestimmungen des Arbeitsvertrags. Nach dem 9. Monat – also ab dem 10. Beschäftigungsmonat – gleicht sich das Entgelt eines Zeitarbeiters an das Niveau der vergleichbaren Stammbelegschaft an.

 

Kurze Unterbrechungen beeinflussen Anspruch nicht

Der Anspruch auf Equal Pay bleibt bestehen, solange keine Unterbrechung länger als 3 Monate dauert. Denn kurze Einsätze oder Unterbrechungen werden zusammengezählt, bis 9 Monate erreicht sind.

Selbst wenn das Zeitarbeitsverhältnis kurzfristig aufgehoben wird oder mehrere kurzfristige Einsätze bei ein und demselben Unternehmen stattfinden, hat der Zeitarbeit das Recht auf Equal Pay. Das gilt auch, wenn der Personaldienstleister wechselt und der Zeitarbeitnehmer beim gleichen Unternehmen arbeitet.

Achtung: Sobald die Pause zwischen 2 Einsätzen länger als 3 Monate dauert – also 3 Monate und 1 Tag – erlischt der Anspruch auf Equal Pay und die Berechnung beginnt neu.

 

3. Gibt es Ausnahmen?

Ja, es gibt 2 gesetzlich zulässige Ausnahmen:

  1. Es gelten Branchenzuschlagstarifverträge
  2. Es gilt die sogenannte Vermutungsregel

Gilt eine der Bedingungen, muss kein Equal Pay bezahlt werden.

 

Branchenzuschlagstarifverträge und Equal Pay

Wendet der Personaldienstleister einen sogenannten Branchenzuschlagstarifvertrag an, darf er von der Equal-Pay-Regelung abweichen. Jedoch nur unter folgenden Voraussetzungen:

  • Der Tariflohn des Zeitarbeiters steigt innerhalb von max. 15 Monaten auf ein Niveau, das dem des Einsatzunternehmens üblich ist.
  • Der Tariflohn des Zeitarbeiters steigt nach 6 Wochen Einarbeitungszeit stufenweise auf ein Niveau, das dem des Einsatzunternehmens üblich ist.

Da durch die Branchenzuschläge der Tariflohn stufenweise steigt und Gleichstellung erreicht wird, muss kein Equal Pay bezahlt werden.

 

Vermutungsregel und Equal Pay

Die sogenannte Vermutungsregel greift, wenn der Lohn eines Zeitarbeitnehmers von Beginn an dem tarifvertraglichen Gehaltsniveau der jeweiligen Einsatzbranche entspricht. In diesem Fall vermutet der Gesetzgeber von vornherein Gleichstellung.

 

4. Sanktion bei Verstößen

Equal Pay dient der Gleichstellung und damit dem Schutz von Leiharbeitern. Verstößt ein Zeitarbeitsunternehmen gegen die Bestimmungen, hat das mitunter schwere Konsequenzen für den Dienstleister:

  • Die Agentur für Arbeit kann ein Bußgeld von bis zu 500.000€ verhängen.
  • Die Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis kann entzogen werden.
  • Betroffene Zeitarbeiter haben Anspruch auf Differenzzahlung. Sie bekommen jeweilige Lohnunterschiede ausgezahlt.
Gelesen 711 mal Letzte Änderung am Dienstag, 07 September 2021 06:41

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